07. PROJEKT "DAS NEUE TEMPELHOFER FELD"

Leistungsphasen: Initiativplanung

Kategorie: Stadtplanung

Ort: Berlin

DAS TEMPELHOFER FELD – AKTUELLER ZUSTAND


Seit vielen Jahren befindet sich mitten in der Stadt Berlin ein stillgelegter Flughafen namens Tempelhof. Der Betrieb wurde im Jahr 2008 stillgelegt. Seither befindet sich dort eine Brache von über 380 Hektar. In einem Gesetz von 2014 wurde der Erhalt dieser Fläche per Dekret festgestellt. Seither befindet sich dort eine braune Wiese mit Asphaltwegen. Es gibt dort keinen Schatten, keine Schankbetriebe und keine Elemente der Gartenbaukunst. Aus der Sicht eines werktätigen Architekten ist das eine ungenutzte Chance für die Hauptstadt Berlin. Zum Vergleich der Schlosspark von Sanssouci in Potsdam hat eine Fläche von 290 Hektar. Er ist kleiner, bietet dem Besucher aber ungleich mehr: Dort gibt es weitläufige Gärten, Terrassen, Pavillons und Fontänen. Ganz anders auf dem Tempelhofer Feld. Der Besucher sieht hier eine Art Freiluftmuseum für Luftfahrt, leider ohne Flugzeuge. Es ist weder ein angelegter Stadtpark mit Gartenbaukunst, noch eine Festwiese, auf der ein berühmtes Volksfest stattfindet.

VOM FLUGFELD ZUR STADT

Das ehemalige Flughafengebäude bleibt erhalten und wird einer geeigneten Nutzung zugeführt.Seine monumentale Rundung wird konzentrisch gefasst und mit Wohnkarrees umstellt.

Die strahlenförmige Anlage richtet sich dann auf das neue Tempelhofer Rathaus, als zentrales Organ der Demokratie. Die beiden Rollfelder des Flughafens bleiben ebenfalls erhalten und werden in zwei großen Avenuen ausgebaut. Sie werden zu prächtigen zwei- bis vierreihigen Alleen aufgewertet. Allein auf dem südlichen Rollfeld ergäbe das Platz für eintausend Bäume. Sie verbinden den Bahnhof Tempelhof mit der Parkanlage Anita Berber (St. Jakobi) beziehungsweise den Tempelhofer Damm mit dem Herrfurthplatz. Der Hauptverkehr sollte jedoch durch geeignete Maßnahmen auf der bestehenden Umgebungsstraße verbleiben. Besagte Rollfelder werden von zwei Avenuen gekreuzt. Sie übernehmen die Nord-Süd-Erschließung.Die Schnittpunkte werden mit großen Rundellen eingefasst. Sie können mit Brunnenanlagen oder geeigneten Denkmälern geschmückt werden. Entlang der ersten Avenue reihen sich gleichrangig die religiösen Einrichtungen.Die bestehenden Anlagen am Rande des Tempelhofer Feldes (Columbiadamm, Sportanlage und Freibad) können erhalten bleiben, da sie wertvolle Infrastruktur bieten.

In der Mitte der Anlage soll ein prächtiger Park mit über sechsundzwanzig Hektar angelegt werden.Seine flankierenden Gebäude sollen einen Forschungs- und Lehrcampus bilden, indem sich die Berliner Schulen und Hochschulen niederlassen können. Damit wird dem Ideal einer guten Bildung entsprochen. Durch die beschriebenen Maßnahmen entstehen einhundertzwanzig neue Wohn- und Geschäftskarrees. 

Bei einer maximalen Grundflächenzahl von 0,43 und einer Geschossflächenzahl von 2,0 entsteht so Wohnraum für etwa 400 Einwohnerinnen und Einwohner pro Karree. Die gesamte Bewohnerzahl läge somit bei 48.000 – ein neuer Stadtbezirk mit der Einwohnerzahl von Gotha oder Wittenberg wäre möglich. Diese historisch einmalige Chance sollte nicht vergeben werden.

REFLEXION UND AUSBLICK


Zeit also, diese Fläche zu gestalten. Immer wieder hören wir in Rundfunk und Fernsehen die Klage über fehlenden Wohnraum und steigende Mieten. Dabei hat die Stadt den höchsten Trumpf selbst in der Hand. Es steht unserer Epoche schlecht zu Gesicht, diese braune Brache liegen zu lassen. Die Nachwelt wird über uns ein Urteil bilden. Wie werden unsere Kinder unseren Kunstsinn bewerten? Wie steht es um den Fortschrittsglaube oder den Unternehmergeist unserer Zeit? Dominieren heute Optimismus und Zukunftsglaube oder Museumsmentalität?


Natürlich kann nicht jede Form einer Bebauung ein gutes Ergebnis bieten. Neuplanungen mit windigen Hochhäusern werden wohl wenig Attraktion bieten. Deshalb haben wir eine kostenlose Neuplanung angefertigt und dem amtierenden Bürgermeister zur Ansicht per Post übermittelt.

FLÄCHENNUTZUNG UND BEBAUUNGSDICHTE

Viele Entwickler denken bei einer Neubebauung zuerst an Hochhäuser. Das mag daran liegen, dass auf den ersten Blick ein hohes Haus mehr Rendite erzielt als ein niedriges. In der Fläche gedacht sind Hochhäuser jedoch schlecht von der Flächennutzung. Das liegt daran, dass neben einem Hochhaus viel Freiraum gelassen werden muss. Ein Hochhaus fordert viel Platz neben sich. Dieser bleibt dann unbebaut oder nur niedrig. Im gesamten ist die Ausnutzung nur schlecht.

BLOCKRANDBEBAUUNG ALS ALTERNATIVE


Bei einer Blockrandbebauung wird der Boden niedriger, aber viel dichter bebaut. Die Ausnutzung in der Fläche ist dadurch aber weit höher, weil weniger Grundfläche ungenutzt verbleibt. Man kann es sich einfach verdeutlichen, indem man eine Wolkenkratzerstadt wie São Paulo mit einer Blockrandstadt wie Barcelona vergleicht: Die Einwohnerdichte von São Paulo ist etwa halb so hoch wie die in Barcelona, obwohl Barcelona fast keine Hochhäuser hat, in São Paulo dagegen gibt es davon unzählige. Wir lehnen das Wohnhochhaus deshalb ab. Es ist teuer im Bau und Unterhalt und es nutzt das Land schlecht aus. Es ist deshalb klüger, bei Neuplanung auf den Blockrand zu setzen – auch wenn es manchen Betrachtern als unmodern erscheinen mag.

DER BLOCKRAND – EIN ZEITLOSES KONZEPT
Wir haben bei dieser Planung auf die Methode Blockrand gesetzt. Seine Vorteile gehen nämlich über die effiziente Landnutzung hinaus: Es sind auch Themen, wie Orientierung, Straßenraum und Sicherheitsgefühl, in denen der Blockrand nach unserem Ermessen deutlich besser abschneidet. Im Inneren der Gebäude haben wir Wert gelegt auf helle und schön gestaltete Treppenhäuser.Wohnkomfort endet nicht an der Wohnungstür.
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