Leistungsphasen: Initiativplanung
Kategorie: Stadtplanung
Ort: Berlin
DAS TEMPELHOFER FELD – AKTUELLER ZUSTAND
Seit vielen Jahren befindet sich mitten in der Stadt Berlin ein stillgelegter Flughafen namens Tempelhof. Der Betrieb wurde im Jahr 2008 stillgelegt. Seither befindet sich dort eine Brache von über 380 Hektar. In einem Gesetz von 2014 wurde der Erhalt dieser Fläche per Dekret festgestellt. Seither befindet sich dort eine braune Wiese mit Asphaltwegen. Es gibt dort keinen Schatten, keine Schankbetriebe und keine Elemente der Gartenbaukunst. Aus der Sicht eines werktätigen Architekten ist das eine ungenutzte Chance für die Hauptstadt Berlin. Zum Vergleich der Schlosspark von Sanssouci in Potsdam hat eine Fläche von 290 Hektar. Er ist kleiner, bietet dem Besucher aber ungleich mehr: Dort gibt es weitläufige Gärten, Terrassen, Pavillons und Fontänen. Ganz anders auf dem Tempelhofer Feld. Der Besucher sieht hier eine Art Freiluftmuseum für Luftfahrt, leider ohne Flugzeuge. Es ist weder ein angelegter Stadtpark mit Gartenbaukunst, noch eine Festwiese, auf der ein berühmtes Volksfest stattfindet.
REFLEXION UND AUSBLICK
Zeit also, diese Fläche zu gestalten. Immer wieder hören wir in Rundfunk und Fernsehen die Klage über fehlenden Wohnraum und steigende Mieten. Dabei hat die Stadt den höchsten Trumpf selbst in der Hand. Es steht unserer Epoche schlecht zu Gesicht, diese braune Brache liegen zu lassen. Die Nachwelt wird über uns ein Urteil bilden. Wie werden unsere Kinder unseren Kunstsinn bewerten? Wie steht es um den Fortschrittsglaube oder den Unternehmergeist unserer Zeit? Dominieren heute Optimismus und Zukunftsglaube oder Museumsmentalität?
Natürlich kann nicht jede Form einer Bebauung ein gutes Ergebnis bieten. Neuplanungen mit windigen Hochhäusern werden wohl wenig Attraktion bieten. Deshalb haben wir eine kostenlose Neuplanung angefertigt und dem amtierenden Bürgermeister zur Ansicht per Post übermittelt.
BLOCKRANDBEBAUUNG ALS ALTERNATIVE
Bei einer Blockrandbebauung wird der Boden niedriger, aber viel dichter bebaut. Die Ausnutzung in der Fläche ist dadurch aber weit höher, weil weniger Grundfläche ungenutzt verbleibt. Man kann es sich einfach verdeutlichen, indem man eine Wolkenkratzerstadt wie São Paulo mit einer Blockrandstadt wie Barcelona vergleicht: Die Einwohnerdichte von São Paulo ist etwa halb so hoch wie die in Barcelona, obwohl Barcelona fast keine Hochhäuser hat, in São Paulo dagegen gibt es davon unzählige. Wir lehnen das Wohnhochhaus deshalb ab. Es ist teuer im Bau und Unterhalt und es nutzt das Land schlecht aus. Es ist deshalb klüger, bei Neuplanung auf den Blockrand zu setzen – auch wenn es manchen Betrachtern als unmodern erscheinen mag.